Ein “Neuländer” in Brasilien – WM-Finale

Am Ziel aller Träume…

Hinter mir liegen die wohl aufregendsten und schönsten 72 Stunden meines Lebens. Und darüber möchte ich euch berichten, damit jeder weiß, was ein WM-Finale bedeuten kann. Es besteht nämlich nicht nur aus 90 Minuten Fußball.

Nach dem ich Nächte damit verbracht habe, bezahlbare Flüge und annehmbare Flugzeiten zu finden, hatte ich meine Hoffnung auf ein Finale schon schwinden sehen. Wirklich aufgegeben habe ich aber nie, dass entspricht einfach nicht meinem Charakter. Und dann kam am Donnerstag Mittag die Nachricht, dass der Fanclub Nationalmannschaft doch noch einen Charterflieger einsetzen wird – buchbar ab 18 Uhr. Das Beste daran – das Ganze ist inklusive Eintrittskarte für jeden Mitflieger.

Da ich von einigen Ticketverkäufen weiß, dass Internetseiten auch mal schnell zusammenbrechen können, habe ich einigen Freunden meine kompletten Daten gegeben, damit sich meine Chancen erhöhen diese Reise zu buchen. Immerhin gab es nur 250 dieser begehrten Plätze. Und so schaffte ich es tatsächlich, mich am Donnerstag um 18.09 Uhr erfolgreich einzubuchen. Sollte das wirklich wahr sein!? So wirklich glauben konnte ich es noch nicht. Als mir meine Kreditkartenfirma aber am kommenden Tag die Reservierung des Geldbetrages mitteilte war ich dann zu 100 Prozent sicher – ich werde nach Rio de Janeiro fliegen und beim WM-Finale live dabei sein. Rio. Maracana. WM-Endspiel mit deutscher Beteiligung – unglaublich!!!

Los ging es für mich am Samstag. Gegen Mittag fuhr ich mit dem Auto zum Flughafen. Dort angekommen waren schon eine Menge Deutschland Fans in der Check-In Halle. Viele Fans suchten hier auch noch nach Karten. Das Fernsehen interviewte die Suchenden. Ein Freund von mir war auch darunter. Er hatte 10 Tage in Brasilien WM-Luft geschnuppert und den Charter inklusiv Karte leider nicht mehr bekommen. Jetzt war er extra aus Bielefeld zum Flughafen gekommen, um irgendwie noch mit aufspringen zu können. Doch dies war aufgrund der Anzahl der Kartengesuche aussichtslos.

Nach dem Check-In gingen wir zum Gate. Dort war bereits eine große Party – Samba Girls, laute Schlager Musik und ein grölender DJ, dazu ein kleines Buffet und Getränke satt. So kann der Tripp ja los gehen. Nach dem Einsteigen im Flieger setzte sich die gute Stimmung fort. Die Crew trug schwarz-rot-gold und hatte sogar die Wangen mit Fahnen verziert. Das Entertainment Programm war diesmal frei zugänglich und alle Getränke waren ebenfalls im Preis inbegriffen. Im Flieger war die erste Stunde noch etwas Party, dann suchten aber fast alle etwas Ruhe und Schlaf – immerhin sollten anstrengende Stunden vor uns liegen.

In Rio de Janeiro angekommen wurden wir auf sechs Reisebusse aufgeteilt und direkt zur Copacabana gefahren. Auf dem Weg erzählte uns eine brasilianische Deutschstudentin etwas zur Stadt. So hatten wir immerhin eine kleine Stadtrundfahrt. Am Strand angekommen hatte der Fanclub für uns eine komplette Bar angemietet. Dort gab es dann Frühstück und Getränke für alle. Im Anschluss daran wurden die Finaltickets verteilt. Der Rest des Tages stand dann zur freien Verfügung. Da es aber bereits gegen 12 Uhr Ortszeit ins Stadion gehen sollte, blieb hier gar nicht ganz so viel Zeit. Da ich Rio ja schon gesehen hatte und demnach nicht zu den Sehenswürdigkeiten hetzen musste, nutzte ich die Zeit, um bis zu den Knien ins Meer zu gehen und das ein oder andere Gespräch mit anderen Fans zu führen. Die Finalkarte verstaute ich sicher in einer flachen Gürteltasche. Die Fanbotschaft hatte bereits vor Tagen gewarnt, dass viele Karten gestohlen und gewaltsam entwendet wurden.


Nach ein paar Deutschland-Liedern zur letzten Einstimmung (übrigens aufgelegt von Olli Pocher) setzte sich dann der Fanmarsch Richtung Metro in Bewegung. Das war wirklich ein unglaubliches Gefühl mit circa 5.000 deutschen Fans durch die Straßen zu laufen. Überall aus den Fenstern in den umliegenden Häusern und am Straßenrand standen Menschen die uns zuwinkten, Glück wünschten, Fotos machten und filmten. Shake Hands und Abklatschen mit wildfremden Menschen, dazu der Gesang „Rio de Janeiro – ohohohohoh“. Eine gegenseitige Huldigung – eine unglaubliche Atmosphäre und eine unvergessliche Erfahrung.

An der Metro angekommen ging es dann ziemlich zügig ins Stadion. Nach mitgezählten 18 Kartenkontrollen waren wir dann auch am Drehkreuz angekommen. Drin! Jetzt konnte nichts mehr schiefgehen, ich sehe mein erstes WM-Finale live. Die Stimmung war grandios, die Brasilianer lernten schnell unsere Lieder und unterstützten uns beim Spiel nach Kräften. Immerhin wollten diese auf keinen Fall, dass der Erzfeind Argentinien den Titel holt. So wurden auch einige argentinische Singversuche mit einem donnernden Pfeifkonzert zerstört.


Zum Spiel muss ich nicht viel sagen. Ich weiß noch, dass ich meinem Sitznachbarn gesagt habe, dass ein Wechsel Klose – Götze jetzt der richtige sei. Klose war merklich müde und auch wenn Götze bisher nicht so stark gespielt hatte, ist er für einen genialen Moment immer gut. In der 113. Minute war es dann so weit – die Welt und alle irgendwie greifbaren Menschen wurden gedrückt, es gab kein halten mehr. Die letzten 9 Minuten vergingen dann auch wie im Flug. Im Moment des Triumphes dann Freudentränen, Schreie, Jubel. Fahne halten, Fotos machen, Menschen umarmen und noch was bei Facebook posten geht übrigens auch als Weltmeister nicht gleichzeitig. Wir sind Weltmeister – und ich bin hautnah dabei. Eigentlich ist das so unglaublich, dass ich wohl noch ein bisschen brauchen werde, um das zu begreifen.

Nach Spiel, Siegerehrung und unzähligen Fotos ging es zurück an den Strand. Die Metro war wirklich super organisiert, so dass der Abtransport von rund 75.000 Menschen echt schnell klappte. Als wir aus der Metro kamen, folgte der nächste Gänsehaut-Moment: Da standen tausende von Brasilianern vor der Metro und klatschten uns Beifall und beglückwünschten uns. Ein Wahnsinns Gefühl, schon wieder Gänsehaut. Tausende Schulterklopfer später waren wir dann auch wieder beim deutschen Fanfest. Dieses war schon voll im Gange. Einige tausend Anhänger tanzten hier am Strand und machten die Nacht zum Tag. Noch einen Caipi und die Atmosphäre einfach nur genießen, gegen 22.00 Uhr ging es dann zurück zum Flughafen.


Hier herrschte absolutes Chaos, denn es mussten noch in der Nacht dutzende Sondermaschinen – die meisten nach Buenos Aires – abgefertigt werden. Mit 45 Minuten Verspätung ging es dann aber auf die letzte Etappe unseres Fluges. Zu Beginn noch euphorisch und sangesfreudig, irgendwann dann aber eher kaputt und schlafend ging es in die Heimat. Gegen 17 Uhr landeten wir dann mit den Worten des Piloten „Willkommen zurück im Land des Weltmeisters“.

Beim Aussteigen standen bereits einige Kamerateams bereit. Sogar in der Tagesschau war ich kurz zu sehen. In der Empfangshalle gab es wieder Getränke und einen Weltmeisterkuchen. Laute Musik durfte natürlich auch nicht fehlen. Ein kleines Glas Sekt gab es noch, dann ging es die 3 Stunden von Frankfurt nach Hause.

Absolute geplättet, aber am Ziel meiner Träume ging es abends ins Bett. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich meine verrückte Geschichte sicherlich noch das ein oder andere Mal im Freundes- und Kundenkreis erzählen dürfen. Bedanken möchte ich mich bei allen, die meine Eindrücke in den letzten Wochen verfolgt haben. Das positive Feedback freut mich sehr.

In Sao Paulo waren wir beim Achtelfinale Argentinien gegen die Schweiz. Vor dem Stadion tausende Argentinier ohne Karte und drinnen viele glückliche Karteninhaber. Von der Stimmung das bisher beste Spiel. Wirklich ein Hexenkessel und Dauergänsehaut – als dann noch das Tor in letzter Sekunde der Verlängerung fiel war für viele kein Halten mehr. Noch mehr als 60 Minuten nach Spielende standen wir im Block. Zuerst staunten wir nur, dann feierten wir einfach mit. Das ist WM!

Und dann standen die Rio Planungen im Vordergrund. Für ca. 60 Euro wurde ein Schlafbus gebucht, der uns über Nacht quasi im Schlaf nach Rio bringen sollte. Dazu über Airbnb eine Unterkunft im von Freunden empfohlenen Sambaviertel Lapa. Unsere Gastgeberin sprach zwar kein Wort Deutsch oder Englisch, gab sich aber alle Mühe um uns mit Händen und Füßen zu zeigen, dass wir hier willkommen sind. Sie gab uns einige Tipps und zeigte uns die Umgebung – sich sprachlich nicht verständigen zu können kann auch Spaß machen.

Was in Lapa abgeht ist unglaublich, tausende von Menschen machen die vierspurige Straße jede Nacht zu einem riesigen Partyareal. Aus den Bars schallt die Livemusik, Straßenhändler Verkäufen Caipirinha und Bier. 700 ml Caipirinha für 2,30 Euro – und es schmeckte so gut, dass unsere Sightseeing Planungen nicht in den frühen Morgenstunden statt finden konnten.

Am 4. Juli war es dann so weit, das wahre Ziel unserer Reise hieß von Beginn an Maracana. Eines der Stadien, die man als Fan einmal im Leben gesehen haben muss. Schon beim Ausstieg aus der Metro kribbelte es, im Stadion potenzierte sich das dann nochmals. Viele vorher getroffene Deutsche hatten keine Karte und der Schwarzmarkt ist hier illegal. So hörten wir nach dem Spiel von einigen Fans, die das Spiel auf dem Polizeirevier verfolgen mussten, da sie beim Versuch Karten zu erwerben erwischt wurden.

Zum Spiel gibt es nicht viel zu sagen, die Stimmung war ok, aber nicht überragend. Lag wohl auch daran, dass wir unsere Karten auf der französischen Seite hatten und grundsätzlich der Fananteil der beteiligten Mannschaften eher gering war.

Nach dem Spiel war der Abtransport ins Zentrum gut geregelt. So waren wir schon circa 45 Minuten vor dem Brasilien Spiel in Lapa zurück und wurden mit auf eine Straßenparty geschleppt. Eine enge Gasse mit leichtem Anstieg, ein paar aufgestellte Leinwände. Bier, Caipirinha, Fleisch und Trauben mit Schokolade überzogen gab es dort umsonst – dazu ausgelassene Stimmung, Jung und Alt gemeinsam, alle für Brasilien – grandios.

Bei den Toren und nach dem Schlusspfiff dann Party pur, Samba, Verbrüderungen und immer wieder der Satz „You are next!“ Überzeugung sieht allerdings anders aus. Vor allem nach dem WM-Aus von Brasilien-Held Neymar sagten uns auch viele Brasilianer, dass wenn wir gewinnen sollten, wir wenigstens dafür sorgen sollen, dass nicht Argentinien Weltmeister wird. Das ist doch ein Deal oder?

Am letzten Tag gab es dann Sightseeing. So waren wir an einem Tag an der Christusstatue und auf dem Zuckerhut, letzteres zum Sonnenuntergang. Zusätzlich konnten wir auf der Zwischenstation zum Zuckerhut die Verlängerung und das Elfmeterschießen der Holländer verfolgen, auch hier mit super Stimmung.

Der Ausblick und das Gefühl der Freiheit sind hier wirklich atemberaubend. Dazu die untergehende Sonne, die beeindruckende Stadt die wirklich nie schläft. Ich glaube nicht, dass es viel schönere Anblicke auf der Welt gibt. Ich kann es jedem nur ans Herz legen sich dies einmal anzusehen! Zum Tagesabschluss gab es noch einen Spaziergang entlang der Copacabana, ein paar Souvenirs und Getränke an der Promenade. Später ging es dann ins Bett.

Und jetzt geht es für uns nach Hause. Natürlich mit einem weinenden Auge – spielt unser Team doch am Dienstag im WM-Halbfinale nicht sehr weit Weg von hier. Und am Sonntag vielleicht einen Steinwurf von hier entfernt das Finale.

Es überwiegt aber doch die Freude. Das in den letzten 3,5 Wochen erlebte zu konservieren und zu verarbeiten wird wohl noch eine ganze Zeit dauern. Das wunderschöne Land, die herzlichen Menschen, die überall greifbare Lebensfreude – wir sind begeistert. Auch, dass alle Vorwarnungen von Kriminalität und die logistischen Herausforderungen die sich bei unseren Reisen durch das Land zwangsläufig ergeben haben allesamt gemeistert wurden.

Ich hoffe dass ich Ihnen mit meinen kleinen Berichten einen kleinen Eindruck von dem geben konnte, was eine WM am anderen Ende der Welt im fußballverrückten Brasilien bedeutet.

Meine innere Verrücktheit sagt mir, dass ich bei einem Finaleinzug am kommenden Wochenende erneut in den Flieger steigen sollte. Demnach hoffen wir, dass es einen Charterflug gibt, und unsere Chefs vielleicht am Montag nach dem Finale noch einen Tag auf unsere Arbeitskraft verzichten können. Aber so weit ist es noch nicht, denn das Spiel gegen den Gastgeber wird kein Selbstläufer – denn hier steht das gesamte faszinierende Land mit seinen liebenswerten Menschen hinter ihrer Selecao…

Ein paar Tage habe ich nichts von mir hören lassen. Dies war vor allem dadurch bedingt, dass wir hier ständig auf Achse sind und sich die Ereignisse überschlagen.

Zum letzten Gruppenspiel in Recife waren vor Ort sintflutartige Regenfälle. Straßen überschwemmt, dazu einige Unfälle und verstopfte Straßen. Für 50 Kilometer bis zum Stadion brauchten wir 4 Stunden und sind gerade zu den Hymnen ins Stadion gekommen. Im Gegensatz zu vielen Fans, die zu dem Zeitpunkt immer noch im Chaos feststeckten. Ein Fanclubmitglied hat das Auto auf halbem Weg abgestellt und hat sich mit dem Mofa zum Stadion fahren lassen. Geschäftstüchtig sind sie ja hier.

Nach der Erleichterung des Gruppensieges und kleiner Feier am Abend sollte es den Tag drauf nach Sao Paulo gehen. Ausgerechnet 2 Kilometer vor dem Airport verreckt der Mietwagen. Eine Werkstatt konnte auf die schnelle auch nicht helfen. Und so fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Bei der Mietwagenfirma gab es niemanden, der auch nur ansatzweise Englisch spricht. Die Abgabe der Schlüssel und die Kommunikation mit Google Translate reichen zum Glück, um noch auf unseren Flug aufzuspringen.

Dann der Kulturschock – Sao Paulo. 13,5 Millionen Einwohner, Hochhäuser so weit das Auge reicht, selbst aus dem Flugzeug. Unser brasilianischer Gastgeber ist plötzlich nicht mehr zu erreichen und wir buchen spontan ein Hotel. Last Minute Angebote auf der brasilianischen Seite Decolar vermachen uns eine Executive Suite im Finanzviertel. Sicher, sauber und mit allem erdenklichen Schnickschnack für unter 100 Euro pro Nacht.

In Sao Paulo schauen wir uns verschiedene Teile der Stadt an und erleben den Elfmeterkrimi auf dem offiziellen Fanfest mit 25.000 euphorischen Brasilianern. Einfach grandios was hier nach dem Sieg ab ging.

Und dann wurde es auch für uns und unser Team ernst. In aller Frühe ging es nach Porto Alegre. Über das Schlafgelegenheitsportal Couchsurfing haben wir uns einen Schlafplatz im ansonsten völlig überteuerten Porto Alegre gesucht und einen verrückten Gastgeber gefunden. Insgesamt schlafen in der Nacht 12 Personen aus 6 Nationen dort. Multikulti aus China, USA, Mexiko, Deutschland, Brasilien und Frankreich. Wir gingen gemeinsam zum Stadion und feierten nach dem Deutschland-Sieg die halbe Nacht. Um 4 Uhr ist die Nacht dann wieder zu Ende. Für uns geht es zurück nach Sao Paulo wo wir das Achtelfinale Argentinien gegen die Schweiz im Stadion verfolgten bevor es in den nächsten Tagen zur letzten Station unserer Reise geht. Rio de Janeiro!

Das mit dem Internet ist hier wirklich so eine Sache und hat sich in den letzten Tagen zum Problem entwickelt. Schlechtes bis nicht vorhandenes Internet im Hotel – unterwegs ist die Bandbreite gedrosselt und so ist es fast unmöglich Bilder zu senden und mit Zuhause zu kommunizieren.

Uns geht es weiterhin super und wir genießen unsere Zeit in vollen Zügen. In den letzten Tagen stand extrem viel Fußball an. So haben wir uns am Montag Mexiko gegen Kroatien in Recife angesehen und so schon mal das Stadion des nächsten deutschen Spieles unter die Lupe genommen. Die Organisation war hier zum ersten Mal richtig schlecht. Von den in jeder Stadt eingerichteten Shuttle Standorten dauerte es über zwei Stunden bis zum Stadion. Erst ein Shuttle, dann die Metro, dann noch ein Bus, dazu musste man dies alles bezahlen und bekam ein Armband umgelegt. Mit zwei Armbändern wie ein VIP ausgestattet, erreichten wir das Stadion noch gerade rechtzeitig zu den Hymnen im Vollsprint. Der hatte sich allerdings gelohnt, denn dreiviertel des Stadions war mit völlig enthusiastischen Mexikanern gefüllt. Gänsehautgarantie also schon bei den Hymnen und später auch bei den Toren. Menschen die vor Freude einfach anfingen zu weinen, nur weil ihr Land gerade ein Tor geschossen hatte. Das waren tolle Momente die sicherlich in Erinnerung bleiben werden.

Auch ein paar unschöne Szenen gab es das erste Mal während dieser WM. Es gibt keine wirklich getrennten Fanzonen und die Mexikaner sind ohnehin überall gewesen. So gab es dann nach den ersten Toren einige Handgreiflichkeiten und viele Becher, die zwischen provozierenden Mexikanern und frustrierten Kroaten hin und her flogen. Der Abtransport vom Stadion dauerte wieder, war aber zumindest gut organisiert, was die Anzahl der eingesetzten Busse und Bahnen an ging.

Am Dienstag ging es dann zum Spiel Italien gegen Uruguay nach Natal. Es sind zwar nur gut 300 Kilometer bis dahin, aber bei den Straßenverhältnissen dauern diese ca. fünf Stunden, so dass unser Tag vor allem von Autofahren geprägt war. Besonders der Weg durch einige Dörfer die nur aus Schlaglöchern bestanden und dazu aufkommender monsunartiger Regen erschwerten uns die Fahrt sehr. Auch die Mexikaner konnten nicht ohne uns und so überholten wir auf der Rückfahrt rund 80 Busse, die voll mit Mexikanern waren, die ebenfalls einen kleinen Ausflug zu dem Spiel machten.

Im Stadion waren sehr wenige Italiener und sehr viele Uruguayer. Letztere machten eine tolle Stimmung und unsere Sympathien lagen ebenfalls bei den Urus, während die Anwesenden Brasilianer das ein oder andere Mal ein Italia, Italia anstimmten. Nutzen sollte dies den Europäern aber nichts. Die kniffligen Szenen sind im Stadion nur schwer zu bewerten und werden auf den Leinwänden auch nicht wiederholt. Letztendlich war das Ergebnis und das Ausscheiden Italiens aber verdient. Besonders nervig das Zeitspiel über das ganze Spiel. Wie schnell man Abstöße, Freistöße und Einwürfe ausführen kann zeigen die Varianten nach dem Gegentreffer.

Am Mittwoch hatten wir nur einen Tag Auszeit vom Fußball. Wir haben uns hier den Strand angesehen, die Seele baumeln lassen und die anderen Spiele mit einem Auge verfolgt.

Heute steht dann das letzte deutsche Gruppenspiel an. Wir hoffen hier natürlich sehr auf den Gruppensieg, da unsere Reiseroute uns mit dem Gruppensieger über Porto Alegre nach Rio führt und ein umbuchen sowohl teuer als auch nahezu unmöglich werden wird. Wir sind heiß und freuen uns schon jetzt auf das Spiel. Bei der Anreise werden wir etwas anderes probieren oder viel mehr Zeit einplanen.

Viele Grüße nach Deutschland.

Wir sind gut in Recife gelandet. Der Flug war gut. Wir konnten uns mit einem Controller die WM-Spiele am Bildschirm nachspielen oder sich die Highlights der vergangenen Weltmeisterschaften ansehen. Ziemlich cool verglichen mit den europäischen Billigfliegern. Eine Nacht haben wir im ca. 50 Kilometer südlich gelegenen Touristenort Porto de Galinhas übernachtet. Dort war wirklich einiges los und wir freuen uns hier in ein paar Tagen nochmals zurückzukommen.

Der Vorteil war auch, dass wir unsere Sachen für ein paar Tage in einem Koffer zusammengepackt haben und den Großteil des Gepäcks in der dortigen Unterkunft gelassen haben. Direkt nach dem Frühstück ging es dann ins etwa 160 Kilometer entfernte João Pessoa. Ein Ort, an dem vor allem brasilianische Touristen ihren Urlaub verbringen. Die Preise sind hier deutlich geringer als in den vorherigen Orten. Die östlichste Stelle Südamerikas befindet sich nur 1,6 Kilometer vom Hotel entfernt – hier ist der Senegal näher als der Süden von Brasilien. Den Sonnenaufgang beobachten wir hier, dafür ist allerdings sehr frühes Aufstehen angesagt, denn die Sonne geht um 5.24 Uhr auf.

Das Spiel Griechenland gegen Japan haben wir gestern live in Natal verfolgt. Die Stimmung war gut, wenn auch die Tore ausgeblieben sind. Sehr viele Japaner im Stadion und für uns beste Plätze in Kategorie 1. Auch einige Deutsche Fans haben wir im Stadion getroffen und uns bereits für unser Spiel gegen Ghana eingesungen. Wir fliegen morgen um 11.30 Uhr von Recife nach Fortaleza – genügend Zeit um die Stimmbänder zu ölen und die Anspannung etwas abzulegen.

Die Menschen hier haben übrigens einen sehr großen Respekt vor unserer Mannschaft. Neben der Hoffnung auf die eigene nennt hier fast jeder die Alemãos als großen Favoriten. Davon angesteckt habe ich mich heute in der Halbzeit des Spiels dabei ertappt schon mal mögliche Flüge zum Finale zu suchen.

Immer wieder werden wir auf die Proteste in Brasilien angesprochen. Und immer wieder kann ich nur antworten, dass es hier keine Proteste gibt. Zumindest keine die wir bisher mitbekommen hätten und auch keine die hier in den Medien thematisiert werden.

Ich werde mir jetzt eine Mütze voll Schlaf holen, damit ich morgen ausgeruht in Fortaleza ankomme. Das zweite deutsche Spiel steht an. Die große Chance mit einem zweiten Sieg dem Gruppensieg einen Schritt näher zu kommen. Wir sind heiß – ihr hoffentlich auch. Drückt die Daumen und klickt euch mal bei Pokalhelden on Tour rein!

Ein „Neuländer“ in Brasilien, Patrick Bremehr berichtet – Teil 2: „Nach ein bisschen Erholung und interessanten Eindrücken stand gestern das erste WM-Spiel live im Stadion an. Da sich in den letzten Tagen unsere Pläne ein wenig geändert haben, waren wir noch gar nicht in Salvador.

Um wenigstens etwas von der Stadt mitzubekommen sind wir am Spieltag also bereits um 7 Uhr aufgebrochen, um uns dort noch etwas umzusehen. Da wir im etwa 15 Kilometer entfernten Shopping de Norte, einem Einkaufszentrum, geparkt haben, fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Stadion. Diese fuhren ab 9 Uhr und kosteten umgerechnet knapp 7 Euro, inklusive Hin- und Rückfahrt und der freien Nutzung der Verkehrsmittel in Salvador. Drehkreuze in den Bussen verhindern das Schwarzfahren. Das Einsteigen in den Bus erfordert dadurch aber auch ein wenig Geduld.

Die Eindrücke der Fahrt durch Salvador waren schon krass. Auf der einen Seite leben die Menschen in aus Müll gezimmerten Bruchbuden, auf der anderen Seite moderne Kaufhäuser und Hochhäuser mit Spiegelglasfassade. Der Bus benutzte zu unserem Glück eine eigene Spur. Ansonsten hätten wir es bei dem Verkehr wohl so gerade zum Anpfiff am weiträumig abgesperrten Station geschafft. Am Stadion war bereits Buntes treiben. Überall tanzende singende und sich freuende Menschen, an jeder Ecke Militärpolizei, die mir ein gewisses Sicherheitsgefühl gaben.

Über den Fanwalk sind wir dann ins historische Zentrum gewandert. Hier war auch der deutsche Fan Treffpunkt und die Fanbotschaft. Ein paar Gespräche hier und dort machten uns dann auch klar, dass Salvador ein wirklich gefährliches Pflaster ist. Einige uns bekannter Personen wurden in den Tagen dort mit einem Messer am Hals bedroht und um ihre mitgeführten Gelder und Mobiltelefone gebracht. Demnach haben wir die Seitenstraßen gemieden und hatten bei bestem Wetter eine tolle Zeit.

Etwa 90 Minuten vor dem Spiel machten wir uns wieder auf den Weg zum Stadion – die deutschen Farben dominierten nicht nur am Stadion sondern in der gesamten Stadt. Die Einlasssituation war etwas chaotisch. Kaum Schilder, dafür überall Volunteers, die mit Megaphon auf Tennis-Schiedsrichterstühlen sitzend irgendwelche unverständlichen Dinge in die singende Menge brüllte. Nach der Sicherheitskontrolle, die ähnlich wie an einem Flughafen ablief, waren wir dann im inneren Ring und die in einer Vielzahl vorhandenen Drehkreuze waren allesamt leer. Also nicht wir rein ins Stadion. Ein tolles Gefühl das Lämpchen grün Leuchten zu sehen und das Stadion zu betreten. Nummer 1 von 9!

Im Stadion waren die deutschen Fans über alle Tribünen verteilt. Neben uns saßen zu Beginn noch ein paar kreischende Portugal Fans, die dann aber sehr bald das Weite suchten, als wir unsere Lieder anstimmten. Zum Spiel muss ich wohl nichts schreiben, wir waren begeistert, zumal wir den weiteren Weg bis zum Viertelfinale mit dem Gruppensieger gehen werden und es schon bitter wäre, wenn dies nicht unsere Mannschaft ist.

Nach dem Spiel ging die Party dann erst richtig los. Unter den Tribünen trafen sich Fans aller Nationen und sangen gemeinsam die Lieder ihrer Mannschaften. So lernten wir Kolumbianische, Brasilianische, chilenische und Argentinische Lieder und brachten den Fans anderer Länder unsere „Humba“ und „So gehen die Deutschen“ bei. Auch Liedgut des lokalen Fußballclubs in Bahia durften natürlich nicht fehlen.

Einige Bilder und Videos werden wir in den kommenden Tagen noch auf auf der Facebook-Seite von Pokalhelden on Tour online stellen.

Nach 45 Minuten hüpfen, springen, feiern und Fotos machen sind wir dann zu unserem Shuttlebus zurück. Die vor dem Spiel an einem Infostand vergessene Sonnenbrille konnten wir dort wohlbehalten einsammeln – nicht überall in Brasilien ist es also gefährlich.

Im Shuttlebus waren wieder Fans vieler Nationen und so ging das Feiern und die Diskussion wer denn Weltmeister würde weiter. Außerdem gab es hier erste Trikottausche, wobei ich mein Trikot nicht abgeben wollte. Doch der nächste Tauschpartner stand direkt nebenan und so gab es Leute, die den Bus als Brasilianer betreten und ihn geschmückt mit Kolumbien, Mexiko und Deutschland Fanartikeln verließen.

Gegen 18 Uhr waren wir wieder an unserer Unterkunft und haben hier das Spiel USA gegen Ghana verfolgt und ein Picanha Sandwich vom örtlichen Fastfoodladen probiert. Lecker!

Heute geht’s für uns weiter nach Recife, wo wir dann gleich morgen Richtung Natal aufbrechen. Hier steht am 19. Juni das Spiel Griechenland gegen Japan auf dem Programm. Für uns als BVB-Fans das Duell Kagawa gegen Sokratis. In der Erwartung, dass die Stimmung dort ähnlich ausgelassen ist kann ich es kaum erwarten. Gruß nach Deutschland.“

Heute Abend heißt es Daumen drücken, wenn Deutschland bei der Fußball-WM 2014 seine erste Partie bestreitet. Live im Stadion fiebert unser Neuland-Medien-Mitarbeiter Patrick Bremehr (Foto in der Mitte) mit. Neben den drei deutschen Vorrundenspielen wird er mit seinen zwei Freunden aus Dortmund sechs weitere Begegnungen, darunter zwei Achtel- und ein Viertelfinale, sehen. Was Patrick in Brasilien alles erlebt, berichtet er selbst:

„Nach 11h Flug sind wir in Salvador de bahia gelandet. Mit an Bord des Sonderfliegers der Condor mindestens 90 Prozent Fußball-Fans. Laut Angabe des Piloten hat er das Rollfeld hier noch nie so voll gesehen. Eine Herausforderung für den Flughafen der von seiner Große mit dem von Paderborn zu vergleichen ist. Vor allem weil auch der kroatische Mannschaftsbus auf dem Rollfeld parkt und drum herum ein Konvoi von Polizei und Begleitfahrzeugen ist. Vermutlich beziehen die Kroaten hier in der Nähe ihr Quartier.

Dafür klappt aber alles weitere wie am Schnürchen. Für WM-Touristen gibt es eine eigene Passkontrolle mit rund 10 Schaltern. Überall Volunteers und Informationsschalter – auch wenn dort die Kommunikation überwiegend mit Händen und Füßen abläuft. Englisch sprechen hier nur die wenigsten und mein Babbel Portugiesisch Intensivkurs reicht noch nicht ganz für eine flüssige Kommunikation.

Am Ausgang steht hält jemand wie abgesprochen ein Schild mit unseren Namen in die Luft. Der Flughafen wirkt extrem sicher, überall Polizei und Sicherheitspersonal. Der rund drei Kilometer entfernte Mietwagenverleih ist in Containern beherbergt. Die Bürokratie inklusiv kopieren aller vorhandenen Pässe und Führerscheine dauert fast 45 Minuten – der Container ist aber klimatisiert und mit einem Fernseher ausgestattet. Bei 28 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit ein Segen.

Nachdem alle Vorschäden aufgenommen sind, wird das Gepäck in unserem kleinen Fiat verstaut. Der Kofferraum reicht nicht, so dass wir die Rückbank ebenfalls vollpacken. Danach fahren wir zurück zum Flughafen. Um kein Risiko einzugehen bleibt eine Person in Sichtweite des Autos während wir anderen Geld und Tickets im Flughafengebäude holen. Sicher ist sicher, immerhin haben wir unser komplettes Gepäck im Wagen.

Die Ticketabholung ist innerhalb von fünf Minuten erledigt, schnell unkompliziert und hilfsbereit haben wir jetzt auch rund 20 deutsche Ticketleitfäden von den verschiedenen Volunteeres bekommen. Schwerer ist dagegen die Geldabholung. 13 der 14 Automaten weisen unsere vorhandenen Geldkarten ab, bis dann endlich die ersten brasilianischen Reais in unseren Händen sind.

Es ist 16 Uhr und das nächste Spiel wird angepfiffen. Wir machen uns aber auf den Weg in das etwa 50 Kilometer nördlich liegende Praia do Forte. Ein heftiger Platzregen begleitet uns. Gut das hier alle Straßen abschüssig gebaut sind, so dass der Regen abfließen kann. Praia do Forte ist ein kleiner Ort direkt am Meer. Wir sind in unserem sehr sauberen Casa Verde Appartement mit großem Kühlschrank angekommen.

Kurzes Einrichten, Getränke kaufen im Supermarkt – beeindruckende Vielfalt an exotischen Früchten zu fantastischen Preisen. Danach brechen wir auf in Richtung Zentrum. Capuhera tanzende Menschen auf der Straße, Livemusik und überall Fußball. Da hier Winter ist, wird es gegen 17.30 Uhr dunkel. Natürlich läuft hier überall Fußball und die Farbe Gelb regiert. Die Menschen sind sehr freundlich und die Freude über die Fußball-WM ist hier überall greifbar.

Am Abend dominieren noch die feiernden Holländer in den Bars, immerhin haben diese mit 5:1 gegen den aktuellen Weltmeister gewonnen. Das Bild ändert sich hoffentlich in den kommenden Tagen, wenn immer mehr Deutsche eintreffen.

Samstag sind wir nach Salvador gefahren und haben uns die Stadt angesehen. Gestern stand dann das große und bekannte Projekt für Meeresschildkröten auf dem Programm. Dies befindet sich nur 500 Meter von unserem Appartement entfernt. Ein bisschen Strand und relaxen darf natürlich auch nicht fehlen, bevor es heute Abend ernst wird und das erste WM-Spiel unserer deutschen Elf auf dem Plan steht.“

Mehr Bilder und Eindrücke zur Brasilien-Reise von Patrick erhalten Sie auf der Facebook-Seite Pokalhelden on Tour.